Lagerzeitung Kids Tag 4

Ein weiterer Tag sollte dem Bau der Kathedrale gewidmet werden, doch die Mönche beschäftigte etwas ganz Anderes: Am Morgen hingen plötzlich 95 Thesen am Essenszelt. Martin Luther hatte sie in der Konsequenz dessen formuliert, was er in der Bibel las. Die Thesen beinhalteten vor allem heftige Kritik an dem Verkauf von Ablassbriefen. Daraufhin wurden in allen Orden Diskussionen entfacht. Die Mönche und Nonnen kamen zu dem Schluss, dass die Scheinheiligkeit, die sich in den letzten Tagen in dem Wettstreit um die sogenannte Monstranz, den Frömmigkeitspokal, entwickelt hatte, ein Ende nehmen müsse.

Als der Abt die Diskussionen bemerkte, rief er sie verärgert zusammen. Überzeugt von Luthers Thesen, argumentierten die Mönche und Nonnen geschlossen gegen ihn, doch der Abt zerschmetterte jede Kritik mit Gegenargumenten aus den Regeln des Heiligen Benedikt. Als die Mönche sich schon fast geschlagen geben wollten, schlug sich die Nonne Katharina von Bora, die zuvor die Orden wegen „unfrommen“ Verhaltens kritisiert hatte, auf die Seite der Orden und argumentierte ebenfalls gegen den Abt, indem sie die Bibel und Luthers Thesen zitierte. Als der Abt eine angemessene Strafe für die Nonne verlangte, halfen die Orden gemeinsam Katharina und versteckten sie den ganzen Tag. Durch ihre besondere Kreativität waren sie dabei sehr erfolgreich. So wurde sie beispielsweise als dekorativer Werkzeugständer getarnt oder unter einem Haufen Decken versteckt. Selbst der vom Abt losgeschickte Suchtrupp konnte sie den ganzen Tag lang nicht ausfindig machen.

Beim abendlichen Gottesdienst kam dann der nächste Schock für den Abt: die Monstranz war verschwunden. Die Orden behaupteten alle gewissenhaft sie nicht gesehen zu haben bis Katharina unerwartet wieder auftauchte und gestand die Monstranz selbst versteckt zu haben. Ihrer Meinung nach, war es nicht angemessen zu bestimmen wie „fromm“ sich jemand verhält und wie jemand vor Gott dasteht – schon gar nicht durch so etwas banalem wie einem Pokal. Die Orden pflichteten Katharina bei und zerstörten unter Jubel und mit viel Erleichterung die Monstranz als Symbol für Anmaßung und Scheinheiligkeit.